Dies ist die offizielle Website des Kameramanns (Director of Photography) Matthias Grunsky.

Matthias Grunsky – Cinematographer | Director of Photography | COMPUTER CHESS

THERE THERE | Kinofilm auf iPhones. Die Filmemacher allein zu Hause. Getrennt durch Zeitzonen, Kontinente und Glasfaserkabel.






GESCHICHTEN VOM FRANZ | Wien mit Kinderaugen



THERE THERE | Jason Schwartzman on the Zoom screen

Jossi Jantschitsch als FRANZ

Als Johannes Schmid mich fragte, ob ich die Kamera für „Geschichten vom Franz" nach der Vorlage von Christine Nöstlinger übernehmen wolle, wusste ich sofort, dass dieser Dreh etwas Besonderes für mich werden würde. Nicht nur wegen des Films selbst – sondern weil er in Wien stattfinden sollte. Ich hatte Wien 1996 verlassen und war danach natürlich zurückgekehrt, aber immer nur kurz, immer als Gast. Und jetzt sollte ich diese Stadt monatelang mit der Kamera erkunden – durch die Augen eines Zehnjährigen.

Franz, die Hauptfigur, ist zehn. Er sieht Wien anders als ein Erwachsener. Die U-Bahn ist kein Transportmittel sondern ein Abenteuer. Eine Rolltreppe ist eine Attraktion. Ein Freibad ist eine Welt. Ich merkte schnell, dass dieser Blick auch meiner war – oder jedenfalls der Blick, den ich einmal hatte und der irgendwo noch vorhanden sein musste. Wien mit einer Kinderfigur im Mittelpunkt zu drehen bedeutete, die Stadt neu zu sehen. Und das war für mich, nach fast dreißig Jahren, erwartungsgemäß emotional.

Es gibt Ecken in Wien, die sich nicht verändert haben. Treppenhäuser, Innenhöfe – und der innen orangefarbene U-Bahn-Wagentyp, in dem wir gedreht haben, war genau derselbe wie der, mit dem ich zur Schule fuhr. Ich stand manchmal mit der Kamera an einem Ort und wusste plötzlich wieder genau, wie er sich als Kind angefühlt hatte – der Geruch, das Licht, die Proportionen.



Molly Gordon in THERE THERE

Handkamera auf Kinderaugenhöhe mit dem Easyrig

Mit Kindern zu drehen ist eine eigene Erfahrung. Man bereitet sich vor, plant Einstellungen, bespricht Szenen mit dem Regisseur – und dann steht man mit Kindern vor der Kamera am Set. Kinder spielen nicht, sie sind. Diese Unmittelbarkeit ist für eine Kamera ein Geschenk, aber man muss ihr begegnen können. Man muss bereit sein, den Plan loszulassen.

Ich habe gelernt, auf Hüfthöhe zu filmen. Nicht weil es eine stilistische Entscheidung war, sondern weil es die einzig ehrliche Perspektive ist. Wenn die Kamera auf Augenhöhe mit den Kindern ist, verändert sich alles – die Räume werden größer, die Situationen dringlicher, die Emotionen direkter. Man sieht die Welt so wie Franz sie sieht.



Roy Nathanson in THERE THERE

Kamera-Workshop für Kinder bei der Kinderschulwoche Bayern

Bei einer Vorführung der „Geschichten vom Franz" bei der Diagonale in Graz saß in der ersten Reihe ein kleiner Junge. Nach dem Film hob er die Hand und fragte, wie wir das gemacht haben, dass der Film so schön aussieht. Ich weiß nicht mehr genau, was Johannes geantwortet hat. Aber ich weiß noch, wie ich mich dabei gefühlt habe. Das war kein Kompliment von einem Kollegen oder einem Kritiker. Das war jemand, der den Film einfach gesehen hatte und wissen wollte wie das geht – direkt, ohne Umweg, ohne Höflichkeit. Kinder fragen so. Sie meinen es so.

Ein anderes Kind fragte mich, wie dieser Fernseher so groß sein kann – es meinte die Leinwand. Ich habe versucht zu erklären, wie ein Projektor funktioniert. Die Frage hat mich mehr beschäftigt als die meisten Fragen, die mir Erwachsene stellen. Weil dahinter ein echtes Staunen steckte, keine Agenda.

Das ist es vielleicht, was ich von diesen beiden Filmen mitgenommen habe: dass Staunen keine Frage des Alters ist. Die Arbeit an den Franz Filmen in meiner Heimatstadt hat mich wieder auf ganz besondere Art staunen lassen. Und die Kinder am Set – und im Publikum – haben mich daran erinnert, dass das der Zustand ist, den ich beim Filmen erreichen will.